HomeWebUntisSuche

Viele Wege führen zum Ziel, unsere Schule ist der Weg zu vielen Zielen !

Höhere Bundeslehranstalt
für wirtschaftliche Berufe

3430 Tulln, Donaulände 72

02272 64767
hlw.tulln@noeschule.at

DRUCKEN

Ari Rath zu Besuch im Bundesschulzentrum

Am 25.4.2014 konnten ca. 250 SchülerInnen des Gymnasiums Tulln und der HLW/FSW/FSB Tulln dem legendären, in Wien 1925 als galizischen Juden geborenen, Journalisten Ari Rath begegnen und seiner faszinierenden wie erschreckenden Lebensgeschichte folgen. Organisiert und vorbereitet wurde diese Veranstaltung von Herrn Reinhart Buchegger und den ReligionsprofessorInnen beider Schulen.
Der bereits nahe 90-ig jährige Gast las aus seiner Autobiografie: „Ari heißt Löwe“ vor und stand auch für Fragen der SchülerInnen zur Verfügung. Durch Schilderungen von seiner Flucht mit 13 Jahren und seinem harten Leben in einem Kibbutz in Palästina fesselte Ari Rath seine ZuhörerInnen. Er engagierte sich schon immer für eine Lösung des Nah-Ost-Konfliktes und ein friedliches Zusammenleben von Israelis und PalästinenserInnen.
Seine jugendlichen ZuhörerInnen forderte er eindringlich auf, wachsam zu sein und unterschwelligen Fremdenhass sowie Diskriminierung nicht hinzunehmen, sondern dagegen einzutreten und Demokratie wirklich zu leben. Mit tosendem Applaus wurde Ari Rath von den beeindruckten SchülerInnen verabschiedet.
In den nächsten r.k. Religionsstunden bei Frau Prof. Martha Vogl und Herrn Prof. Karl Bemmer schrieben die SchülerInnen auf die Bitte von Ari Rath hin Reflexionsbriefe an ihn, um die Frage, ob so was Schlimmes wie der Nationalsozialismus wieder passieren könne, zu reflektieren.

Hier zwei der Briefe im Originaltext:

Grüß Gott, Herr Ari Rath!
Über das Thema Judenverfolgung haben wir schon im Vorhinein sehr viel gewusst, aber Sie haben uns gezeigt, wie es hinter den Kulissen wirklich aussah. Mit Ihren Geschichten und Erzählungen haben Sie mich wirklich sehr beeindruckt. Ich habe Ihnen gut zugehört, und Sie erreichten nicht nur mein Gehör, ich war gebannt von Ihrer Geschichte. Sie können sehr stolz aus sich sein, denn es ist nicht leicht, über etwas zu reden, was andere Menschen am Liebsten vergessen würden. Aber es stimmt so, wie Sie es gesagt haben: „etwas zu vergessen ist das Schlimmste“!
Mit Schulbesuchen und Vorlesungen sollten Sie nicht aufhören, es ist wichtig, anderen die Augen über die grausame Vergangenheit zu öffnen und ihnen zu zeigen, dass so etwas nie wieder passieren sollte. Es wäre jedoch viel angenehmer solche Treffen in kleineren Gruppen zu veranstalten, da es dann persönlicher abläuft und man sich besser auf die Person konzentrieren kann.
Ich selber kann mir nicht vorstellen, jetzt abreisen zu müssen, mit dem Gedanken, dass ich die Menschen, die mir sehr am Herzen liegen, vielleicht nie wieder sehen würde. Und selbst, wenn ich so eine Flucht überleben würde, hätte mich dieses grausame Schicksal gezeichnet.
Ich wäre nicht mehr die, die ich einmal war, mein Leben wäre dunkler, vielleicht wäre ich dann auch ganz alleine. Ich weiß es nicht, und ich will es auch nicht wissen. Mitleid und Bedauern von anderen Menschen zu bekommen, werden Sie wahrscheinlich schon kennen, trotzdem möchte ich Ihnen meinen aller größten Respekt zeigen und Sie wissen lassen, dass Sie mit Ihren Vorträgen niemals alleine sein werden. Solche Erzählungen bleiben hängen, regen zum Denken an verändern die Sicht auf dieses Thema, vielleicht, ohne es zu bemerken.
Ihre Geschichte habe ich meiner Familie erzählt und vielen Freunden, und wir alle sind uns einig, dass weder Sie noch Ihr Leben in Vergessenheit geraten werden. Einst sagte man mir, dass eine Person erst dann wirklich tot ist, wenn man sie vergessen hat. Kein Autogramm oder Foto erinnert mich an Sie, es sind die Wörter, die von Ihnen bei mir hängen geblieben sind.
Ich möchte Ihnen für Ihre Zeit, Ihre Geduld, Ihren Mut und Ihre Offenheit danken. Mit freundlichen Grüßen,
Patrycja, HL 2B

„Sehr geehrter Herr Ari Rath!
Meiner Meinung nach war Ihr Vortrag über Ihre Erfahrungen mit dem NS-Regime sehr interessant und hilfreich, da es für uns Jugendliche, die nicht aus dieser Generation stammen, sehr schwer nachzuvollziehen ist, wie so etwas Grausames und Fragwürdiges überhaupt zustande kommen kann. Ihr Bedenken, dass es wieder passieren kann – ich finde das für möglich. In Österreich ist es der Fremdenhass, der von einigen Politikern durch Reden und Wahlplakate geschürt wird, die Wähler so beeinflussen, dass sie selbst denken, Ausländer sind schlecht für unser Land. Was natürlich kompletter Schwachsinn ist! Leider gibt es sehr viele Jugendliche, die kaum Kritik ausüben wollen oder können, denn dann müssten sie selber denken und entscheiden, wen sie wirklich wählen, und nicht das Freibier und die aufgeheizten Wahlreden. Anscheinend verstehen manche Leute nicht, wie Demokratie funktioniert und welchen Sinn sie hat!
Ihre Generation, die diese schlimme Zeit miterlebt hat, stirbt aus. Und das Schlimmste, was passieren kann, ist zu vergessen, was in dieser Zeit passiert ist. Ich danke Ihnen und bin der Meinung, Ihr Vortrag kann nur positiv dazu beitragen und uns wachrütteln, dass so etwas nie wieder geschieht!
Michael, HL 2B

Mag.a Martha Vogl